Es tut immer noch weh

Der Test, den ich am nächsten Tag gemacht habe, war nur noch die Bestätigung "schwarz auf weiß" ... ich war...aber das wusste ich eigentlich schon vorher, schwanger.

Du wolltest es bis zum Schluss nicht glauben und ich sehe heute noch dein ungläubiges Gesicht...und Du hast Dich gefreut. Wir haben uns beide gefreut...jedenfalls ein paar Stunden lang. Zu der Freude kamen nämlich recht bald Zweifel, Ängste, Sorgen....schaffen wir das...was ist mit der Arbeit ( es war klar, dass mein Chef eine Schwangerschaft als persönliche Beleidigung ansehen würde und ich mich nicht darauf hätte verlassen können, nach der Schwangerschaft weiter arbeiten zu können - und ohne Job? Ohne mein Geld wären wir aufgeschmissen gewesen )...geht das überhaupt finanziell. Na ja, und es gab da ja auch noch einen anderen Grund für unsere Sorgen und Zweifel...da ich die ganze Zeit so stark erkältet war, hatte ich einiges an Medikamenten genommen....Grippetabletten, Hustensaft, Kopfschmerztabletten... In den Packungsbeilagen steht immer, dass man diese Medikamente nicht in der Schwangerschaft einnehmen soll....oh Mann, ich hatte solche Angst. An diesem Wochenende haben wir beide kaum geschlafen, haben immer wieder aufs neue das " für und wider" gegeneinander abgewogen, haben beide gehofft, dass uns eine Lösung einfällt, haben viel gegrübelt, geredet, geweint....uns wurde beiden immer mehr klar, dass wir dieses Kind nicht bekommen konnten. Wir wollten beide dieses Kind haben, sahen jedoch keine Möglichkeit, unserer Verantwortung gerecht zu werden. Das Herz und der Verstand haben erbittert gegeneinander gekämpft....Sonntagabend hatte der Verstand gesiegt...es gab sowas wie eine Entscheidung...wir würden dieses Kind nicht bekommen...es hat uns beiden fast das Herz zerissen...

Wie sehr habe ich gehofft, dass mir...dass dir... doch noch irgendeine Lösung einfällt... insgeheim habe ich auch darauf gehofft, meine Frauenärztin würde mir sagen, dass es für einen Schwangerschaftsabbruch zu spät sei.

Bei der Untersuchung am Dienstag habe ich unser Kind auf dem Ultraschall gesehen...ich werde dieses Bild nie vergessen....NIE...

11. Schwangerschaftswoche...ein paar Tage Zeit blieben also noch...es waren die schrecklichsten Tage meines Lebens... der 22.März 2005 der allerschwärzeste Tag..... Das schlimmste war für mich, dass ich nur eine einzige Woche Zeit hatte...eine Woche zum Nachdenken...eine Woche um eine Entscheidung zu treffen. Eine Woche, in der ich zum vorgeschriebenen Beratungsgespräch musste und auch den Termin für "den" Tag machen musste. In dieser einen Woche habe ich so viel geweint, wie wohl vorher in meinem ganzen Leben nicht.

Ich hasse mich dafür, dass ich unser Kind nicht bekommen habe...was wäre denn gewesen, wenn es für einen Abbruch zu spät gewesen wäre??? Dann hätten wir es doch auch bekommen...dieser Gedanke lässt mich nicht los...lässt mich noch heute oft nicht schlafen. Es gab seit dem 22.03. nicht einen Tag, an dem ich nicht daran gedacht habe...nicht einen Tag, an dem es nicht weh tat....

Ich weiß, dass dieser Schmerz nie aufhören wird...und ich weiß auch, dass ich unser Kind niemals vergessen werde.

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